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Der "Siku ya usafi" und sein Hintergrund

Autor: Nadine | Datum: 20 Oktober 2011, 20:15 | Kommentare deaktiviert

Nun habe ich auf diesem Wege schon länger nichts mehr von mir hören lassen, was nicht heißen soll, das es nichts zu berichten gäbe oder es mir nicht gut ginge. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe in den letzten Wochen ziemlich viel erlebt und gut geht es mir auch!

Ich merke zurzeit, dass ich hier in Tansania immer selbstständiger werde. Die Chormitglieder haben mich gebeten, Fotos zu entwickeln. Kein Problem! Ich gehe zum Kagera Photo Studio, gebe die Bilder in Auftrag und hole sie am nächsten Tag wieder ab. Auch gehe ich jetzt ohne Lilian einkaufen und der Ladenbesitzer, bei dem ich nun schon öfter war, freut sich immer sehr, mich zu sehen. Er betont immer wieder wie gut mein Kiswahili ist, was natürlich nicht stimmt. Seit meiner Ankunft ist es zwar etwas besser geworden, aber gut ist es noch lange nicht. Mittlerweile weiß ich allerdings, wenn ich kein Wort verstehe, dann unterhalten sich die Leute auf Kihaya. Das ist die Sprache der Menschen, die hier in der Region um Bukoba leben. Alle können Kiswahili, aber je nach Region kommt immer noch eine regionale Sprache hinzu. Mir werden jetzt auch immer mehr Wörter auf Kihaya beigebracht, sodass ich zumindest die Begrüßungsformeln erkenne.

Im Chor lernen wir momentan neue Lieder. Dazu kommt extra ein Lehrer. Er ist sehr anspruchsvoll, aber es macht wirklich unglaublich viel Spaß. Ich habe jetzt die Texte aufgeschrieben und kann lautstark mitsingen. Ich singe in der „sauti ya pili“, der zweiten Stimme. Ich finde, es hört sich sehr gut an, wenn wir, nachdem alle ihre Stimmen geübt haben, dann ein Lied vierstimmig singen.

Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, genieße ich es immer noch sehr, Menschen zu treffen und kurz mit ihnen zu reden. Irgendwen trifft man ja immer. Auch hupt öfter mal ein Auto und irgendjemand winkt. Oder das Auto bleibt stehen, die Scheibe wird heruntergekurbelt und jemand ruft „Nadine, unaomba lifti?“. Das heißt so viel wie „Willst du mitgenommen werden?“ Meistens schlage ich das Angebot nicht aus. Ja, von den Leuten, die einen mittlerweile kennen, werde ich bei meinem Namen gerufen. Ansonsten habe ich von „Dada“, „Madam“, „Miss“, „Mama“ über „Ey Sista“ bis hin zu „Hey Baby“ und „I love you so much“ schon alles gehört. Am häufigsten höre ich allerdings das Wort „Mzungu“ (Weiße). Es stimmt ja auch, aber manchmal ist es doch etwas nervig immer so gerufen zu werden. Ich glaube aber, ich gewöhne mich langsam daran.

In Bukoba, besonders bei der ELCT (Evangelical Lutheran Church of Tanzania) war in den letzten Tagen viel los. Alles fing am letzten Donnerstag an, denn es stand der schon lange vorher angekündigte „Siku ya usafi“ oder auch das „community cleaning“ an. Alle Mitarbeiter der ELCT mussten sauber machen. Dafür wurde extra ein Plan ausgearbeitet, welches Department was zu tun hat. Wir von HUYAWA sollten das Büro und den Garten um das Bürohaus herum sauber machen. Zusätzlich wurde uns aufgetragen, die Straße, welche vom Hauptbüro der ELCT zum HUYAWA-Büro führt, zu reinigen. Also haben sich alle Mitarbeiter zu der vereinbarten Zeit (14.00 Uhr) vor dem Büro getroffen und losgelegt. Mit Plastikhandschuhen, Schubkarre, Besen und Sense zum Rasenmähen ausgestattet ging es an die Arbeit. Die Straße ist keine Teerstraße und da viel Müll einfach so fallen gelassen wird, hatten wir entsprechend viel zu tun. Ich wurde gefragt, wer denn in Deutschland die Straßen reinigt. Ja, habe ich geantwortet, da gibt es Menschen, die bei der Kommune, Gemeinde oder Stadt beschäftigt sind und die für die Sauberkeit auf den Straßen und Grünanlagen der Stadt verantwortlich sind. So etwas gibt es in Tansania nicht und deshalb haben wir das gemacht.

Grund für das „community cleaning“ war allerdings ein besonderes Meeting, das in diesen Tagen hier in Bukoba stattgefunden hat. Die ELCT mit ihren 20 Diözesen (das sind bei uns z. B. die Evangelische Kirche von Westfalen) hat eine Partnerschaft mit 13 Kirchen und Missionsgesellschaften in Dänemark, Schweden, den USA und Deutschland. Zusammen bilden sie die LMC (Lutheran Mission Cooperation). Die LMC hat hier in Bukoba eine Konferenz (Rund Table) abgehalten. Dazu sind alle Bischöfe der Diözesen und die Verantwortlichen der Kirchen und Missionsgesellschaften aus dem Ausland gekommen. Alle waren sehr stolz, dass sie Bukoba für diese Konferenz ausgesucht hatten und alle wollten gute Gastgeber sein. Gestern Abend gab es dann eine Abschlussveranstaltung, zu der ich auch eine Einladung vom Bischof bekommen habe. Eine Ehre! Es stellte sich heraus, dass alles, was in Bukoba Rang und Namen hat, gestern im ELCT Bukoba Hotel versammelt war. Jemand meinte scherzhaft, wenn hier heute einer das Wort „Mchungaji“ (Pastor) sagt, dann drehen sich 200 Leute um. Es waren nicht ganz 200, aber gefühlt schon. Als Volontärin der VEM musste ich mich natürlich auch vor allen vorstellen. Das habe ich dann wie meine Vorredner auf Englisch gemacht. Dann meinte Bischof Buberwa allerdings, dass ich jetzt das Ganze noch mal auf Kiswahili machen sollte. Ich habe dann wieder meine Standardsätze abgespult und damit alle glücklich gemacht. „Sie ist erst zwei Monate hier und kann schon so gut Kiswahili sprechen.“ Wie ich bereits am Anfang geschrieben habe, mein Kiswahili ist wirklich noch nicht besonders gut. Naja, wie dem auch sei, ich werde weiter daran arbeiten. Bis zum nächsten Mal und ganz liebe Grüße aus Bukoba!

Nadine