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Ab jetzt auch "Teacher Nadine"

Autor: Nadine | Datum: 18 November 2011, 09:38 | Kommentare deaktiviert

Anfang November habe ich meine Karriere als Teilzeit-Lehrerin an der Kibeta English Medium Primary School (KEMPS) gestartet. Jeden Dienstag und Donnerstag unterrichte ich dort jetzt Vocational Skills, eine Mischung aus Kunst und Musik sowie Sport. Die anderen Tage der Woche bin ich weiterhin bei HUYAWA.

Am Anfang habe ich den anderen Lehrern viel beim Unterrichten zugeschaut. Dann hieβ es: „Nadine, was kannst du dir denn vorstellen zu machen?“ Da ich ja eine Gitarre mit nach Tansania genommen habe, war fuer unsere Mentorin Joyce, die auch die Schulleiterin ist, klar, dass ich auf jeden Fall etwas mit Musik machen sollte. Da sich das Schuljahr langsam dem Ende neigt (in Tansania beginnt ein neues Schuljahr Anfang Januar), eine Lehrerin gerade ein Kind bekommen hat und sie Bedarf im Fach Vocational Skills haben, bin ich eingesprungen. Ich unterrichte in der Pre-school (das ist so eine Art Vorschule, wo die Kinder aber auch schon Lesen, Schreiben und Rechnen lernen), in Standard I und Standard II, also ungefähr der ersten und zweiten Klasse.

Ich sollte dann mit den fuer die jeweiligen Klassen zuständigen Lehrern absprechen, zu welcher Zeit ich Stunden uebernehmen kann. Ich dachte zuerst, die Lehrer wären vielleicht skeptisch, dass ich, ungelernte, die gerade selbst aus der Schule kommt, plötzlich unterrichten will. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Die Lehrer waren total begeistert, dass ich ihnen helfen möchte. Sie haben immer wieder gesagt „Karibu sana“ und „You are welcome, teacher“. Ja, „Teacher Nadine“ das ist jetzt meine neue Anrede.

KEMPS ist eine englischsprachige Schule und befindet sich in Trägerschaft der Nordwest-Diözese der ELCT. Die Kinder, die in die Pre-school kommen, können vorher häufig noch kein Wort Englisch. Ich muss also versuchen, alles immer sehr einfach und deutlich zu formulieren, damit sie mich verstehen. Manchmal kommen die ganz Kleinen zu mir und sagen mir stolz ein Wort auf Kiswahili und dann auf Englisch, damit ich sehe, wie viel sie schon gelern haben.

Die Lehrer haben mir versichert, wie sehr die Kinder Singen und Malen lieben. Vor meiner ersten Unterrichtsstunde war ich schon ziemlich aufgeregt, danach aber total gluecklich, weil es wirklich super geklappt hat. Ich habe die Kinder mit meiner Gitarre beeindruckt. Vorher hatte ich den Jungschar-Klassiker „Wenn der Sturm weht“ mal eben schnell auf Englisch in „When the storm blows“ umgewandelt. Die Kinder waren begeistert. Zu dem Lied macht man verschiedene Bewegungen, die ich ihnen auch beigebracht habe. Wenn wir das Lied nun singen, macht die Hälfte der Kinder allerdings nicht die Bewegungen fuer den Sturm, sondern sie tun so, als ob sie auch Gitarre spielen wuerden. Dabei singen sie aus Leibeskräften. Dann hatte ich ihnen erzählt, dass ich sie besser kennen lernen möchte und sie dazu ein Namensschild basteln, worauf sie ihren Namen schreiben und ihr liebstes Hobby malen sollten. Die Hälfte der Kinder hat natuerlich eine Gitarre darauf gemalt.

Auch als sie sich letzte Woche selber malen sollten, hatte ein Groβteil eine Gitarre im Arm.

Die Kinder sind wirklich unglaublich niedlich. Am Anfang der Stunde singen wir immer. Wenn wir danach etwas anderes machen, höre ich immer aus verschiedenen Ecken Kinder die Lieder summen oder singen. Auch werde ich ständig gefragt „Teacher, when do you come to teach us?“ Ist das nicht unglaublich? Ich habe meine Lehrer nie gefragt, wann sie endlich kommen, um mich zu unterrichten. Gerade Dienstag war ich erst in Standard I und anschlieβend in der Pre-school. Als ich aus dem Raum herauskam, kamen schon drei oder vier Schueler aus Standard I angelaufen, um mich zu fragen „Teacher, when do you come to teach us?“ Da musste ich ihnen dann erklären, dass ich leider erst Donnerstag wiederkomme.

Die Schueler in Standard II beeindrucken mich mit ihrer Disziplin. Wenn ich mit ihnen singe, singt wirklich jeder mit und jeder singt schön. Jeder macht die Bewegungen, echt toll. Mit ihnen habe ich mit Hieroglyphen geheime Botschaften geschrieben. Sie sollten dann ihrem Sitznachbarn einen Brief in Geheimschrift schreiben. Ein Kind hat keinen Sitznachbarn. Da habe ich dann gesagt, sie soll mir einen Brief schreiben. Natuerlich hat die Hälfte der Klasse einen Brief fuer mich geschrieben und ich musste dann die Geheimschrift entziffern. Ein Brief lautete wie folgt: Thank you teacher for teaching us and God bless you! Dazu brauche ich wohl nichts weiter zu sagen.

Das Unterrichten bringt jetzt natuerlich neue Herausforderungen fuer mich mit sich. Die Stunden muessen ja auch vorbereitet werden. Dabei ist meine Kreativität gefragt. Ihr seht also, dass meine Arbeit und meine Aufgaben hier sehr vielfältig sind. Ueber zu wenig Abwechslung kann ich mich wirklich nicht beschweren. Es gefällt mir ausgesprochen gut und ich freue mich sehr, hier zu sein.