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"Wir gehen jetzt Haare kaufen!"

Autor: Nadine | Datum: 19 März 2012, 07:39 | Kommentare deaktiviert

Hört sich erst mal lustig an. Fand ich auch, als Lilian und ich auf dem Weg in die Stadt waren und gefragt wurden, was wir denn da wollen. Der Grund, warum wir uns aufgemacht hatten, um kuenstliche Haare zu kaufen, war, dass ich meine Haare zu Rastas flechten lassen wollte. Lilian hatte mir einen Termin im Salon besorgt und da geht man eben mit vorher gekaufen Haaren hin, um sie in die eigenen flechten zu lassen. Da alle Tansanier fast ausnahmslos schwarze Haare haben, gibt es also auch fast nur solche zu kaufen. Man muss sich dann durch das Angebot an Haaren durchwuehlen. Auβer schwarz gibt es noch rötiche oder blonde Haare. Also habe ich mich fuer die blonden entschieden, weil die noch am ehesten zu meiner Haarfarbe passen. Eine Tansanierin kauft wohl gewöhnlich drei Packungen Haare, wenn sie sich Rastas flechten lässt. Also haben wir das auch gemacht. Im Salon meinten sie dann aber sofort, dass das nicht ausreichen wuerde. Ich bräuchte noch zwei Packungen mehr. Dann ging es morgens um 8.30 Uhr los. Zu  zweit haben sie sich daran gemacht, meine Haare zu flechten, eine hat vorne angefangen, eine andere hinten. Zwischenzeitlich waren sogar mal drei am Werk, weil man ja unbedingt mal ausprobieren muss, wie sich so die Haare der Weiβen flechten lassen. Nach einiger Zeit hieβ es dann, dass die fuenf Packungen Haare immer noch nicht ausreichen wuerden. Wir bräuchten noch zwei mehr. Also ist eine Frisösin losgegangen, um mehr Haare zu kaufen, und die andere hat weitergeflochten.

 

Nach viereinhalb Stunden flechten und sechseinhalb Packungen kuenstlichen Haaren war es dann vollbracht: ich bin erblondet und habe eine Haarverlängerung der etwas anderen Art.

Ich muss sagen, dass die ganze Prozedur auch nicht ganz schmerzfrei war, aber wie heiβt es doch: wer schön sein will, muss leiden!

Die vielen Haare und der jetzt entstandene dicke Zopf waren anfangs ein ganz ordentliches Gewicht, welches einem den Kopf etwas nach hinten zieht. Aber so wie man sich an alles gewöhnt, habe ich mich auch daran mittlerweile schon gewöhnt. Jetzt sind mir noch mehr Komplimente sicher, wenn ich unterwegs bin. Man bekommt hier nämlich ständig gesagt, wie gut man aussieht, wie schön das neue Kleid ist, dass ich mir hab schneidern lassen oder die Ohrringe, die ich mir in Nairobi gekauft habe. Nun kommen noch die Haare dazu, von denen jeder sagt, wie toll sie mir stehen. Ich muss auch sagen, dass es mir jeden Tag besser gefällt, wenn ich in den Spiegel gucke. Anfangs dachte ich nämlich, wer ist das? Darauf habe ich auch schon eine Antwort bekommen: Lilians Kommentar zu meiner neuen Frisur: „Nadini mpya – die neue Nadine!“

 

Zwischenseminar, Safari und ein Besuch in den Usambara-Bergen - auf Reisen mit der Vierer-Kombo

Autor: Nadine | Datum: 19 März 2012, 07:30 | Kommentare deaktiviert

Vom 20. bis 25. Februar hieβ es fϋr mich auf geht’s nach Kenia, auf geht’s nach Nairobi, auf geht’s zum Zwischenseminar! Da es von Bukoba bis nach Nairobi nicht gerade ein Katzensprung ist, sind Charlotte und ich erst mit dem Schiff ϋber Nacht von Bukoba nach Mwanza gefahren. Dort konnten wir dann einmal bei Lilians Schwester und ihrer Familie ϋbernachten, bevor wir in den Bus von Mwanza nach Nairobi gestiegen sind. Der sollte um 12.00 Uhr mittags abfahren und abends gegen 22.00 Uhr in Nairobi ankommen. Das kann mir schon sehr unrealistisch vor, betrachtet man mal die Entfernung auf der Karte. In Mwanza sind wir natϋrlich auch nicht um 12.00 Uhr abgefahren, an der Grenze musste auch erst mal jeder seine Papiere ausfϋllen, sodass wir letztendlich am nächsten Morgen um 6.00 Uhr in Nairobi angekommen sind.

Nairobi ist einfach nur riesig und ein bisschen hatte ich das Gefϋhl wieder in Europa zu sein. Wir waren in einem Supermarkt, in dem uns fast die Augen aus dem Kopf gefallen sind. Von dem ganzen Angebot dort war ich ziemlich ϋberfordert. Guck mal, es gibt hier sogar Trink-Joghurt! Und so viele verschiedene Sorten Käse, Säfte aller Art, Chips, Sandwiches, Salat und noch vieles, vieles mehr! Da habe ich mir einmal einen richtig dicken Schoko-Muffin gegönnt, die Schoko-Bombe schlechthin.

Dann ging es auf zum Seminar. Das fand nicht in Nairobi-City statt, sondern in Brackenhurst, einem Tagungszentrum 40 Kilometer auβerhalb der Stadt. Als wir sechs Volontäre der VEM und noch sieben andere Volontäre einer anderen Organisation dort angekommen sind, haben wir uns gefragt, wo sind wir denn jetzt gelandet? Eine riesige, super gepflegte Anlage mit komfortablen Unterkϋnften, heiβer Dusche, netten Tagungsräumen bzw. Häusern und groβen Grϋnflächen hat uns erwartet. Als es dann zum Essen ging, ging das Staunen weiter: ein riesiges Buffet mit den verschiedensten Sachen. Bei Geschmack konnte es sogar eine Vorsuppe sein, ein tolles Salatbuffet und zum Nachtisch Eis oder Kuchen. Dort wurden wir wirklich total verwöhnt, was fϋr meinen Geschmack etwas zu viel war. Morgens Frϋhstϋck und um 10.00 Uhr schon wieder Tee, Kaffee oder Kakao zusammen mit Muffins, Streuselschnecken oder ähnlichem. Dann Mittagessen und um 16.00 Uhr wieder Tee, Kaffee oder Kakao mit Keksen, bevor es dann abends wieder Abendessen gab.

Wir haben in dieser Zeit aber nicht nur gegessen und uns wie in Deutschland gefϋhlt, sondern auch ein tolles Seminar zusammen verbracht. Es war schön, auf das letzte halbe Jahr zurϋckzublicken und dabei zu sehen, was man schon alles geschafft und welche Herausforderungen man gemeistert hat. Auch war es interessant mal die Neuigkeiten aus Deutschland zu hören und einen Nachmittag in Zeitungen oder Magazinen davon zu lesen. Auch der Ausblick auf das nächste halbe Jahr hat mir gezeigt, welche tollen Sachen mich noch erwarten und welche Herausforderungen auf mich zu kommen, wenn ich nach Deutschland zurϋck komme. Auch aus den vielen Inputs in Form von Andachten, Spielen oder ähnlichem habe ich viel fϋr mich selbst mitgenommen. Besonders schön war der Austausch mit den anderen Freiwilligen. Sehr gut fand ich, dass das Seminar nicht mit ϋbermäβig vielen Programmpunkten vollgestopft war, sondern, dass wir viel Zeit hatten uns zu unterhalten, gemeinsam Volleyball zu spielen und einfach mal ϋber die eigene Situation und das, was nach diesem Jahr kommt, nachzudenken.

 

Nach dem Zwischenseminar haben wir vier Tansania-Freiwillige dann zusammen eine dreitägige Safari gemacht. Das war wirklich unglaublich toll, eines der besten Sachen, die ich je gemacht habe.

Dazu sind wir von Nairobi nach Arusha gefahren. Von dort ging dann die Safari los. Am ersten Tag waren wir im Lake Manyara Nationalpark. Alles fing perfekt an. Schon vor dem Eingang in den Park haben wir am Wegesrand die ersten Giraffen gesehen. Im Park gab es dann noch viel, viel mehr anzugucken, von Elefanten, ϋber Zebras, Affen, Flamingos, Gnus bis hin zu Löwenweibchen, die plözlich im Gebϋsch neben uns brϋllten. Am zweiten Tag der Safari waren wir im Ngorongoro-Krater, ein unbeschreiblich schönes Fleckchen Erde. Dort haben wir dann nicht nur ein Rhinozeros, Wasserbϋffel und Nilpferde gesehen, sondern wurden auch Zeugen einer Jagd von zehn Löwenweibchen auf eine Herde von Bϋffeln, bei der sich die Löwen dann den kleinsten Bϋffel geschnappt und ihn dann zusammen verspeist haben. Auch haben wir einen männlichen Löwen gesehen, der sich nach seine Mahlzeit, die Reste des halb verspeisten Tieres lagen neben ihm, genϋsslich in der Sonne ausgeruht hat.

Am dritten Tag hat uns unsere Safari dann in den Tarangire Nationalpark gefϋhrt. Dort gab es sehr viele Elefanten, Strauβen, Zebras und auch Giraffen zu sehen.

Wir waren also auf unserer Safari sehr erfolgreich, haben wir doch nahezu alle Tiere gesehen, auβer den Leopard. Das heiβt, Jonas hat einen gesehen, wie er vor uns ϋber die Straβe gerannt ist, aber wir Mädchen haben in diesem Moment in eine andere Richtung geguckt... das war Pech.

Aber nicht nur die vielen Tiere waren beeindruckend, auch die Landschaft ist einfach unglaublich schön. Wir haben in einer sehr luxuriösen Lodge ϋbernachtet und wenn man dann noch mit den richtigen Leuten unterwegs ist ... Jonas, Carina, Charlotte und ich hatten einfach unglaublich viel Spaβ und eine tolle Zeit zusammen. Dafϋr danke ich euch sehr, jamani!!!

 

Unsere gemeinsame Reise ging aber noch weiter: Charlotte und ich sind mit Jonas und Carina in die Usambara-Berge gefahren, um Jonas und Carina dort zu besuchen. Auch die Usambara-Berge, Lushoto, Magamba und Irente sind wunderschön. Es war toll,die Einsatzstellen von Jonas und Carina zu sehen und von ihnen herumgefϋhrt zu werden. Wir sind die Berge bis zum Irente View Point hinaufgestiegen, um dann eine wundervolle Aussicht auf die Umgebung zu haben. Auch waren wir ein bisschen shoppen in Lushoto und können uns jetzt aus neu gekauften Stoffen tolle Kleider, Röcke und Blusen nähen lassen.

Dann haben Charlotte und ich uns auf die zweieinhalbtägige Rϋckfahrt von Lushoto nach Bukoba gemacht. Zwei Mal mussten wir noch auf dem Weg ϋbernachten, bevor wir dann wieder zu Hause angekommen waren.

Es ist sehr schön gewesen, hier wieder anzukommen, von allen so herzlich willkommen geheiβen zu werden. Alle freuen sich mich wiederzusehen und ich freue mich weiterhin jeden Tag hier zu sein und darauf, noch weitere sechs Monate hier verbringen zu dϋrfen.