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Graete im Hals

Autor: Nadine | Datum: 28 Mai 2012, 09:56 | Kommentare deaktiviert

Samstag Abend haben wir uns ein richtig typisches Wahaya-Essen gekocht: Kochbananen, Tomaten und Fisch - alles in einen Topf und dann ordentlich kochen lassen. Ich liebe das, hatte Hunger und habe dann auch gleich ordentlich zugeschlagen. Aber schon nach den ersten Bissen hatte ich das Gefuehl, dass da etwas in meinem Hals stecken geblieben ist. Ich hab dann versucht ein etwas groesseres Stueck Brot herunterzuschlucken, aber so richtig sicher, ob die Graete dort weg ist, war ich mir auch nicht. Das Essen war aber auch so lecker. Also habe ich einfach weitergegessen und wenn ich nur so ganz leicht geschluckt habe, war auch eigentlich nichts zu merken. 

Gestern hatte ich aber den ganzen Tag das Gefuehl, dass da etwas in meinem Hals ist, was dort nicht hingehoert. Nach der Kirche war ich mit ein paar Freunden am Strand und hab die dann spaeter gefragt, ob sie nicht mal in meinen Hals gucken wollten. Ja, da ist irgendetwas, bekam ich dann zu hoeren. Das sollte sich vielleicht doch ein Arzt anschauen. Okay, habe ich gedacht, ist vielleicht besser, weil ich es ja alleine nicht entfernen kann mit dem Hausmittel ein grosses Stueck Brot herunterschlucken.

Also sind wir abends, so gegen 19.30 Uhr, zu einer Krankenstation in die Stadt gefahren. Die Leute, mit denen ich unterwegs war, kannten natuerlich den Waerter, der gleich das Tor fuer uns aufgemacht hat und so wurde die Weisse sofort ins Behandlungszimmer dirigiert. Dann kommt der "Arzt" herein. Ich kenne ihn natuerlich. Der Sohn eines Pastors, der ganz in der Naehe von mir wohnt und der in einem anderen Chor in der Stadt singt. Er fragt mich nach den ueblichen Begruessungsformeln: "Una shida gani? (Was hast du fuer ein Problem?)" Als ich ihm dann erzaehle, dass ich glaube, dass ich eine Graete im Hals habe, lacht er mich erst mal aus. Auch die Krankenschwester kann sich das kaum vorstellen. Doch dann wird mit einer Taschenlampe in meinen Mund geleuchtet. Ja, da ist etwas und schwups holt er mit einer Pinzette eine ziemlich dicke Graete heraus, die sich etwas in den Hals gebohrt hatte. Danach war ich vielleicht erleichtert. Ich wusste doch, dass da etwas war.

Ja, somit habe ich dann gestern auch meine erste Bekanntschaft mit einem tansanischen Arzt bzw. einer Krankenstation gemacht. Aber wie ich schon so oft die Erfahrung hier gemacht habe: ich bin in den besten Haenden und es ist schon ein grosser Zufall, wenn ich dort, wo ich hinkomme, mal niemanden kenne. Jetzt habe ich eine Patientennummer. Also, wenn ich noch mal ein Problem haben sollte, dann muss ich mit der Karte kommen. Wollen wir mal nicht hoffe, dass ich die wieder brauche...

 

Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh

Autor: Nadine | Datum: 23 Mai 2012, 21:13 | Kommentare deaktiviert

Schüleraugen strahlen lassen haben wir mit einem Team von HUYAWA, als wir in einer Grundschule Schuhe verteilt haben. Dazu sind wir mit einem groβen Sack voller Schuhe mit dem HUYAWA-Land Cruiser losgefahren. Unser Ziel: eine Grundschule, an der 83 Schülerinnen und Schüler von HUYAWA in Form von Schulgebühren , Schuluniform oder Schulmaterialien unterstützt werden. Von diesen 83 Kindern aus Klasse 1 bis 7 wurden 56 ausgewählt, die nun von HUYAWA neue Schuhe für die Schule erhalten sollten. Schul-Schuhe sind meistens schwarze Lederschuhe, die natürlich nicht gerade billig sind. In den Dörfern, wo es in vielen Fällen jeden Tag einfach nur ums Überleben geht und Geld in erster Linie fürs Essen benötigt wird, stehen solche Dinge wie Schuhe für die Kinder hinten an. Fast alle Kinder laufen daher barfuβ. Das war anfangs für mich noch ziemlich schockierend, aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass der Anblick mittlerweile normal für mich geworden ist. Ich sehe es und nehme es zur Kenntnis, aber der Gedanke „Oh, nein, die armen Kinder haben ja gar keine Schuhe an“ ist nicht mehr da.

Demzufolge tragen viele Kinder auch in der Schule gar keine Schuhe und laufen barfuβ. Sie laufen dann natürlich auch den oft weiten Weg zur Schule hin und zurück barfuβ. Andere tragen vielleicht irgendwelche Plastik-Flipflops oder wieder andere haben völlig kaputte oder viel zu kleine Schuhe an, wobei man sich dann fragen kann, ob es besser ist Schuhe zu tragen, wo fast nahezu alle Zehen herausgucken oder gleich barfuβ zu laufen?

Damit diese 56 Kinder nun vernünftige Schuhe tragen können, haben wir unsere Schuh-Verteil-Aktion gemacht. Dazu wurden alle ausgewählten Kinder in einem Klassenraum zusammengerufen. Dann haben wir den groβen Sack hereingetragen und ihn auf dem Boden ausgeleert. Nach Klassen geordnet, ging es dann ans Anprobieren. Zuerst kamen die Erstklässler an die Reihe. Aus dem groβen Berg an Schuhen haben wir die passenden für jeden Fuβ ausgesucht. Anschlieβend hat jedes Kind den Erhalt der Schuhe durch eine Unterschrift auf unserer Liste bestätigt. Nachdem jedes Kind einen einigermaβen passenden Schuh erhalten hat, haben wir ihnen deutlich gesagt, dass sie diese Schuhe nun auch tragen sollen. Es kann gut sein, dass viele die schönen neuen Schuhe nun schonen wollen, um sie für den sonntäglichen Kirchgang zu nutzen, aber weiterhin barfuβ oder mit kaputten Schuhen in die Schule gehen. Wir hoffen sehr, dass sie die neuen Schuhe nun auch tragen werden.

Unglaublich schön war es auf jeden Fall, die strahlenden Kinderaugen zu sehen. Von allen Seiten haben sie sich bewundern lassen und gern für ein Foto für die Dokumentation unserer Arbeit gepost.

(Fotos gibt´s unter "Fotoalben" und dann "Zeigt her eure Füße")