VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Ann-Christin | Annika | Benjamin | Carina | Charlotte | Christine | Ilva | Jan | Jonas M | Jonas P | Lina | Moritz | Nadine | Robert | Svenja | Till | Vincent

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Advent und Weihnachten in Tansania

Autor: Nadine | Datum: 03 Januar 2012, 12:25 | Kommentare deaktiviert

Nachdem die Adventszeit hier in Bukoba ohne das ganze Schmuecken (Adventskranz, Nussknacker, Lichterbogen), Vorbereiten (Weihnachtsgeschenke kaufen, Stollen backen, Weihnachtsessen planen) und den Stress, den das alles mit sich bringt, verstrichen ist, wurde es dann drei Tage vor Heilig Abend ernst.

In der Adventszeit standen andere Dinge im Vordergrund wie Tansanias Unabhängigkeit, die am 9. Dezember vor 50 Jahren erreicht wurde oder die Hochzeit von Mchungaji Elli, dem Pastor in Kashura.

In der täglichen Morgenandacht wurde jedoch immer darauf hingewiesen, dass wir auf die Ankunft Jesu warten. Das wurde auch in den Liedern, die wir gesungen haben, deutlich. Man könnte also sagen, es wurde sich auf die eigentliche Advents- und Weihnachtsbotschaft konzentriert: wir warten darauf, dass das Kind Jesus, unser aller Heiland, geboren wird!

Fuer mich ist diese Botschaft in der tansanischen Adventszeit besonders deutlich geworden und ich habe mich einmal mehr und dieses Mal sehr entschieden gefragt, ob der ganze Aufwand, den wir in Deutschland betreiben, wirklich gerechtfertigt ist. Beim dem ganzen Konsum in der Weihnachtszeit und dem sich unter dem Weihnachtbaum mit Geschenken Ueberhäufen geht uns der Blick fuer das Wesentliche an Weihnachten doch viel zu häufig verloren.

Vorbereitungen fuer das groβe Fest wurden hier natuerlich auch getroffen. Allerdings haben die meisten erst drei Tage vor Weihnachten damit angefangen. Im Kashura Women Centre stand pl ötzlich ein Weihnachtsbaum, an dessen Zweige Weihnachtskarten gehängt wurden. Man hat sich schicke, neue Klamotten fuer das Fest gekauft und sich eine besonders tolle Frisur verpassen lassen.

Am 23. Dezember gab es abends fuer alle Mitarbeiter der ELCT einen Gottesdienst und in diesem wurde ich so richtig auf Weihnachten eingestimmt. Es wurden nun auch Weihnachtslieder gesungen. Alle unser bekannten Weihnachtslieder wie zum Beispiel „Stille Nacht“, „Oh, du fröhliche“ oder „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ gibt es nämlich auch auf Kiswahili. Kinder haben mit einer Kerze in der Hand Abschnitte der Weihnachtsgeschichte aufgesagt und zwischendurch wurde immer wieder gesungen. Der Weihnachtsbaum hier war nicht nur mit Karten, sondern auch mit Lametta, Kugeln und sogar Luftballons geschmueckt. Anschlieβend gab es fuer alle Abendessen und man hat sich Ueber die Feiertage verabschiedet.

Am 24. Dezember haben Lilian und ich uns morgen auf den Weg in das Dorf von Lilians Familie gemacht. Lilian hatte mich eingeladen, Weihnachten mit ihrer Familie zusammen zu feiern. Normalerweise geht man hier am 24. Dezember abends um 20.00 Uhr zum Gottesdienst. Wir hatten allerdings schon angefangen, das Essen fuer den nächsten Tag vorzubereiten. Dann gab es viel zu erzählen, weil sich in einer groβen Familie die meisten nur selten sehen und als wir auf die Uhr geguckt haben, war es schon 20.00 Uhr und da hat sich auch keiner mehr aufgerafft, um in die Kirche zu gehen. Wir hatten also eine kleine „private“ Abendandacht mit dem Bibeltext des Tages und einem Weihnachtslied auf Kihaya.

Am nächsten Morgen ging es frueh raus. Die ganze Familie hat zusammen das Essen vorbereitet, bevor es dann um 10.00 Uhr in den Gottesdienst ging. Die Kirche war tansanisch-weihnachtlich geschmueckt. Anschlieβend gab es dann das Weihnachtsessen zu Hause. Auch wenn es sonst nicht so viele Variationen gibt, war das Weihnachtsessen etwas besonderes und hat mir auβerordentlich gut geschmeckt. Danach haben wir Weihnachtskuchen, den Lilian und ich gebacken hatten, und Schokolade gegessen. Abends haben wir dann noch einen Spaziergang durch das Dorf gemacht und einige Nachbarn und Freunde der Familie besucht. Am 26. Dezember sind wir wieder um 10.00 Uhr zum Gottesdienst gegangen, haben anschlieβend Mittag gegessen, uns etwas ausgeruht, dann kamen Nachbarn zu Besuch und wir haben noch ein paar Leute  besucht.

In vielen Dingen war Weihnachten in Tansania also gar nicht so anders wie in Deutschland. Es ist ein Fest der Familie, an dem man gemuetlich zusammen ist, Freunden und Verwandten einen Besuch abstattet, an dem man viel isst und ein wenig zur Ruhe kommt. Auf der anderen Seite gibt es doch deutliche Unterschiede. Den ganzen Aufwand den wir um der Geschenke willen betreiben, existiert hier einfach nicht. Als ich einmal um eines Gespräches willen jemanden gefragt habe, ob sie denn schon das Essen fuer Weihnachten geplant habe, habe ich die Antwort bekommen, dass man so viel da ja auch nicht planen muesse. Essen wäre ja nun mal notwendig.

Am 27. Dezember sind Lilian und ich dann wieder zurueck in die Stadt gefahren. Mich hat einmal mehr der Unterschied zwischen Stadt und Dorf erstaunt. In den Dörfern leben die Menschen wirklich nur von ihrem Feld und arbeiten den ganzen Tag hart, damit das Feld sie ernährt.

Ich fand es unglaublich interessant Weihnachten in einem tansanischen Dorf, so ganz ohne Strom und flieβendes Wasser, aber in einem Haus aus Stein in einem Bett. Es war schon eine ganz besondere Erfahrung, die mir den Blick fuer das Wesentliche weiter geöffnet hat!

 

Unser großer Auftritt in Kanisa Kuu

Autor: Nadine | Datum: 08 Dezember 2011, 19:32 | Kommentare deaktiviert

Nachdem wir lange davon gesprochen und in der letzten Woche jeden Tag geprobt hatten, war es dann am Sonntag endlich soweit. Der Kwaya ya vijana (Jugendchor) hatte seinen groβen Auftritt in Kanisa Kuu. Und ich mitten drin.

Aber ich fang mal ganz von vorne an: der Chor, in dem ich singe, gehört zur Gemeinde Kashura und singt sonntags immer in der Kirche in Kashura, die von meinem Zuhause keine zwei Minuten entfernt ist. Wie ich schon eher mal versucht habe zu beschreiben, liegt Kashura etwas auβerhalb der Stadt, den Berg hinauf. Es gibt in der Stadt nämlich noch eine andere, gröβere Kirche, Kanisa Kuu. In der durfte der Kwaya ya vijana aus Kashura nun am letzten Sonntag auftreten. Bereits am Freitag wurde die Chor-Uniform an alle verteilt. Wir haben dieses Mal nämlich nicht schwarz-weiβ getragen, wie bei sonstigen Auftritten, sondern ein besonders Outfit, das für jeden individuell geschneidert wurde. Für die Mädchen ist das ein fliederfarbenes Kleid (oder zumindest glaube ich, dass man die Farbe „flieder“ nennen kann). Ich werde Fotos hochladen, dann könnt ihr es euch angucken.

Es hieβ, dass wir in beiden Gottesdiensten singen werde. Der erste beginnt um 7.30 Uhr. Auf dem Weg in die Stadt habe ich natürlich gleich ein anderes Mitglied aus dem Chor getroffen und wir sind zusammen gegangen. Auf dem Weg haben wir schon bewundernde Blicke für unser Outfit erhalten.

Für mich war es der erste Gang in Kanisa Kuu und ich war wirklich beeindruckt von der modernen Bauweise, der Gröβe und Schönheit dieser Kirche. Sie steht einer modernen Kirche in Deutschland in nichts nach. Vor allem war ich aber beeindruckt, dass vor dem Altar eine Leinwand aufgebaut war und davor ein Beamer mit Laptop stand. Wer dachte, dass es so etwas in Afrika nicht gibt, den muss ich eines besseren belehren.

Der Grund dafür war, dass Tanzania am 9. Dezember, also morgen, vor 50 Jahren seine Unabhängigkeit erlangt hat. Dieser besonderer Tag wurde am letzten Sonntag im Gottesdienst gefeiert. Beamer und Leinwand dienten dazu Lieder wie die tansanische Nationalhymne an die Wand zu werfen.

Im ersten Gottesdienst haben neben unserem Chor noch zwei weitere Chöre gesungen. Wir sind zusammen mit den Pastoren ein- und nach dem Gottesdienst ausgezogen. Jedes Chormitglied hat eine Soda (Cola, Fanta oder Sprite) bekommen, die schnell ausgetrunken und ist wieder in die Kirche gegangen, zum zweiten Gottesdienst. Neben den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit gab es in diesem Gottesdienst noch Konfirmationen. Ich kann es schlecht schätzen, aber ich würde sagen, dass bestimmt 80 Kinder konfirmiert wurden. Der Pfarrer hat in der Predigt, wie ich finde sehr schön, die Unabhängigkeit Tanzanias und die der jungen Leute kombiniert.

Unsere Auftritte mit dem Chor haben wirklich sehr gut geklappt. Ich habe richtig dazugehört. Nicht nur, weil ich das gleiche Kleid wie alle anderen im Chor anhatte. Das hat schon signalisiert, dass ich nicht „nur“ irgendein Mzungu bin, sondern ein vollwertiges Mitglied des Chores, der Gemeinschaft. Sondern auch, dass sich alle um mich kümmern, um mich besorgt sind und mir helfen. „Hier geht’s lang, Nadine.“ „Wir singen jetzt dieses Lied.“ „Nadine, komm, wir gehen jetzt zusammen nach Hause.“ Das Beste fand ich, dass wir die Nationalhymne zusammen gesungen haben. Den Text schreibe ich hier mal hin, weil ich ihn wirklich schön finde.

Mungu ibariki Afrika,

Wabariki viongozi wake,

Hekima, umoja na amani,

Hizi ni ngao zetu,

Afrika na watu wake.

Ibariki, Afrika,

Ibariki, Afrika,

Tubariki, Watoto wa Afrika.

Mungu ibariki Tanzania,

Dumisha uhuru na umoja,

Wake kwa waume na watoto,

Mungu ibariki,

Tanzania na watu wake.

Ibariki, Tanzania,

Ibariki, Tanzania,

Tubariki, Watoto wa Tanzania.

Der Pastor hatte gesagt, dass wir dabei die Hand aufs Herz legen. Ich habe dann auch gleich, ohne nachzudenken, meine linke Hand aufs Herz gelegt, wurde dann aber von meiner Nachbarin darauf aufmerksam gemacht „Nadine,mkono kulia, weka hapa.“ Nimm die rechte Hand aufs Herz. So stand ich dann da, singend „Gott segne Tanzania“ und fühlte mich schon sehr dazugehörig.

 

Das beste kommt aber noch. Diese Woche proben wir wieder jeden Tag, weil wir am Samstag erneut einen groβen Auftritt haben, bei der Hochzeit des Pastors. Davon berichte ich dann beim nächsten Mal. Bei der Probe am Montag wurde dann noch mal gesagt, wie gut wir alle gestern beim Auftritt in Kanisa Kuu waren. Dann meinte unser Lehrer „Dada huyu (und zeigt dabei auf mich) amecheza vizuri kabisa!“ Er hat erzählt, dass er Montag schon von vielen Leuten darauf angesprochen wurde, dass der Mzungu im Chor aus Kashura wirklich super getanzt hätte. Er meinte, dass die Leute gesagt hätten, wenn es kein Mzungu wäre, hätte man gar keinen Unterschied sehen können! Ein größeres Kompliment konnte ich nicht bekommen!

Ich komme hier also immer besser in alles rein. Die anderen Mitglieder des Chores, meine schärfsten Kritiker, wenn es um die Sprache geht, haben mir diese Woche schon mehrmals gesagt, dass ich schon gut Kiswahili kann. Im Vorfeld hieβ es immer, dass wir nach drei Monaten super die Sprache beherrschen würden. Als ich hier ankam, habe ich immer gedacht, dass schaffst du nie. Die drei Monate sind schon bald um. Du kannst es immer noch nicht. Als ich dann irgendwann aufgehört habe, ständig daran zu denken, ist mir allmählich bewusst geworden, wie viel ich doch schon kann. Ich will jetzt nicht behaupten, ich wäre super gut in Kiswahili. Ich bin aber deutlich besser als vor einigen Wochen und Monaten.

Ich habe mir jetzt ein super schickes tansanisches Outfit von Aziza, Lilians Freundin und Schneiderin, schneidern lassen. Das macht einfach solchen Spaβ seine Vorstellungen aufzumalen und nachher ein fertiges Stück in der Hand zu halten. Bei den letzten Besuchen bei Aziza habe ich auch gemerkt, wie viel mehr ich mich unterhalten kann, als kurz nach meiner Ankunft hier. Ich kann ihr genau sagen, wie ich alles haben will. Auβerdem sagt mir jetzt jeder, den ich treffe, wie gut ich aussehe und wie toll sie meinen Dress finden.

Gerade heute hieβ es bei HUYAWA „Nadine, unajua kufanya kazi vizuri.“ (Du weiβt, wie man gute Arbeit macht.) Zur Zeit werden die Planungen für nächstes Jahr gemacht und wir versuchen langsam aber sicher mit der Datenbank voranzukommen. Dieser obige Satz stammt aus diesem Zusammenhang, weil ich bei der Datenbank die Geschichte der Familien kurz in den Computer eingeben muss. Ich soll aber nicht alles, was auf dem Papier steht stumpf abtippen, sondern es kurz und knackig aufschreiben. Gerade heute habe ich ihnen noch mal versichert, dass ich erst alles lese und dann entscheide, wie ich es aufschreibe und gegebenenfalls umformuliere, eine gute Übung für mich.

Als ich vor drei Wochen von einem Mitglied des Chores zur Konfirmation seiner Cousine eingeladen wurde, die Feier war im Dorf bei der Familie zu Hause, wurde ich dort als „der Gast aus Kashura“ begrüβt und nicht als der „Mzungu aus Deutschland“.

Heute hat Bischof Buberwa nach der Morgenandacht allen einen schönen Unabhängigkeitstag morgen gewünscht und ist noch einmal kurz auf die Bedeutung und den Hintergrund des Feiertages eingegangen. Danach wurde die tansanische Nationalhymne gesungen, von der ich zugeben muss, dass ich sie noch nicht ganz auswendig kann. Anschlieβend wurde auch noch das obige Lied gesungen. Dazu meinte der Bischof, dass einer mir mal im Gesangbuch (daran steht das Lied auch) die richtige Seite aufschlagen soll, damit „unsere Tochter Nadine“ (er hat wirklich gesagt „Binti yetu Nadine“) auch mitsingen kann. Irgendwie hat er damit schon recht, so freundlich, wie sie mich alle aufnehmen.

Dies alles gibt mir so nach und nach das Gefühl, hier richtig angekommen zu sein und in alles immer weiter hereinzukommen. Es gibt auch Dinge, die noch ihre Zeit brauchen, aber ich bin sehr zufrieden mit mir und fühle mich wirklich wohl.

Ich wünsche euch allen eine schöne Advents- und Vorweihnachtszeit.

Nadine

 

Ab jetzt auch "Teacher Nadine"

Autor: Nadine | Datum: 18 November 2011, 09:38 | Kommentare deaktiviert

Anfang November habe ich meine Karriere als Teilzeit-Lehrerin an der Kibeta English Medium Primary School (KEMPS) gestartet. Jeden Dienstag und Donnerstag unterrichte ich dort jetzt Vocational Skills, eine Mischung aus Kunst und Musik sowie Sport. Die anderen Tage der Woche bin ich weiterhin bei HUYAWA.

Am Anfang habe ich den anderen Lehrern viel beim Unterrichten zugeschaut. Dann hieβ es: „Nadine, was kannst du dir denn vorstellen zu machen?“ Da ich ja eine Gitarre mit nach Tansania genommen habe, war fuer unsere Mentorin Joyce, die auch die Schulleiterin ist, klar, dass ich auf jeden Fall etwas mit Musik machen sollte. Da sich das Schuljahr langsam dem Ende neigt (in Tansania beginnt ein neues Schuljahr Anfang Januar), eine Lehrerin gerade ein Kind bekommen hat und sie Bedarf im Fach Vocational Skills haben, bin ich eingesprungen. Ich unterrichte in der Pre-school (das ist so eine Art Vorschule, wo die Kinder aber auch schon Lesen, Schreiben und Rechnen lernen), in Standard I und Standard II, also ungefähr der ersten und zweiten Klasse.

Ich sollte dann mit den fuer die jeweiligen Klassen zuständigen Lehrern absprechen, zu welcher Zeit ich Stunden uebernehmen kann. Ich dachte zuerst, die Lehrer wären vielleicht skeptisch, dass ich, ungelernte, die gerade selbst aus der Schule kommt, plötzlich unterrichten will. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Die Lehrer waren total begeistert, dass ich ihnen helfen möchte. Sie haben immer wieder gesagt „Karibu sana“ und „You are welcome, teacher“. Ja, „Teacher Nadine“ das ist jetzt meine neue Anrede.

KEMPS ist eine englischsprachige Schule und befindet sich in Trägerschaft der Nordwest-Diözese der ELCT. Die Kinder, die in die Pre-school kommen, können vorher häufig noch kein Wort Englisch. Ich muss also versuchen, alles immer sehr einfach und deutlich zu formulieren, damit sie mich verstehen. Manchmal kommen die ganz Kleinen zu mir und sagen mir stolz ein Wort auf Kiswahili und dann auf Englisch, damit ich sehe, wie viel sie schon gelern haben.

Die Lehrer haben mir versichert, wie sehr die Kinder Singen und Malen lieben. Vor meiner ersten Unterrichtsstunde war ich schon ziemlich aufgeregt, danach aber total gluecklich, weil es wirklich super geklappt hat. Ich habe die Kinder mit meiner Gitarre beeindruckt. Vorher hatte ich den Jungschar-Klassiker „Wenn der Sturm weht“ mal eben schnell auf Englisch in „When the storm blows“ umgewandelt. Die Kinder waren begeistert. Zu dem Lied macht man verschiedene Bewegungen, die ich ihnen auch beigebracht habe. Wenn wir das Lied nun singen, macht die Hälfte der Kinder allerdings nicht die Bewegungen fuer den Sturm, sondern sie tun so, als ob sie auch Gitarre spielen wuerden. Dabei singen sie aus Leibeskräften. Dann hatte ich ihnen erzählt, dass ich sie besser kennen lernen möchte und sie dazu ein Namensschild basteln, worauf sie ihren Namen schreiben und ihr liebstes Hobby malen sollten. Die Hälfte der Kinder hat natuerlich eine Gitarre darauf gemalt.

Auch als sie sich letzte Woche selber malen sollten, hatte ein Groβteil eine Gitarre im Arm.

Die Kinder sind wirklich unglaublich niedlich. Am Anfang der Stunde singen wir immer. Wenn wir danach etwas anderes machen, höre ich immer aus verschiedenen Ecken Kinder die Lieder summen oder singen. Auch werde ich ständig gefragt „Teacher, when do you come to teach us?“ Ist das nicht unglaublich? Ich habe meine Lehrer nie gefragt, wann sie endlich kommen, um mich zu unterrichten. Gerade Dienstag war ich erst in Standard I und anschlieβend in der Pre-school. Als ich aus dem Raum herauskam, kamen schon drei oder vier Schueler aus Standard I angelaufen, um mich zu fragen „Teacher, when do you come to teach us?“ Da musste ich ihnen dann erklären, dass ich leider erst Donnerstag wiederkomme.

Die Schueler in Standard II beeindrucken mich mit ihrer Disziplin. Wenn ich mit ihnen singe, singt wirklich jeder mit und jeder singt schön. Jeder macht die Bewegungen, echt toll. Mit ihnen habe ich mit Hieroglyphen geheime Botschaften geschrieben. Sie sollten dann ihrem Sitznachbarn einen Brief in Geheimschrift schreiben. Ein Kind hat keinen Sitznachbarn. Da habe ich dann gesagt, sie soll mir einen Brief schreiben. Natuerlich hat die Hälfte der Klasse einen Brief fuer mich geschrieben und ich musste dann die Geheimschrift entziffern. Ein Brief lautete wie folgt: Thank you teacher for teaching us and God bless you! Dazu brauche ich wohl nichts weiter zu sagen.

Das Unterrichten bringt jetzt natuerlich neue Herausforderungen fuer mich mit sich. Die Stunden muessen ja auch vorbereitet werden. Dabei ist meine Kreativität gefragt. Ihr seht also, dass meine Arbeit und meine Aufgaben hier sehr vielfältig sind. Ueber zu wenig Abwechslung kann ich mich wirklich nicht beschweren. Es gefällt mir ausgesprochen gut und ich freue mich sehr, hier zu sein.

 

Der "Siku ya usafi" und sein Hintergrund

Autor: Nadine | Datum: 20 Oktober 2011, 20:15 | Kommentare deaktiviert

Nun habe ich auf diesem Wege schon länger nichts mehr von mir hören lassen, was nicht heißen soll, das es nichts zu berichten gäbe oder es mir nicht gut ginge. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe in den letzten Wochen ziemlich viel erlebt und gut geht es mir auch!

Ich merke zurzeit, dass ich hier in Tansania immer selbstständiger werde. Die Chormitglieder haben mich gebeten, Fotos zu entwickeln. Kein Problem! Ich gehe zum Kagera Photo Studio, gebe die Bilder in Auftrag und hole sie am nächsten Tag wieder ab. Auch gehe ich jetzt ohne Lilian einkaufen und der Ladenbesitzer, bei dem ich nun schon öfter war, freut sich immer sehr, mich zu sehen. Er betont immer wieder wie gut mein Kiswahili ist, was natürlich nicht stimmt. Seit meiner Ankunft ist es zwar etwas besser geworden, aber gut ist es noch lange nicht. Mittlerweile weiß ich allerdings, wenn ich kein Wort verstehe, dann unterhalten sich die Leute auf Kihaya. Das ist die Sprache der Menschen, die hier in der Region um Bukoba leben. Alle können Kiswahili, aber je nach Region kommt immer noch eine regionale Sprache hinzu. Mir werden jetzt auch immer mehr Wörter auf Kihaya beigebracht, sodass ich zumindest die Begrüßungsformeln erkenne.

Im Chor lernen wir momentan neue Lieder. Dazu kommt extra ein Lehrer. Er ist sehr anspruchsvoll, aber es macht wirklich unglaublich viel Spaß. Ich habe jetzt die Texte aufgeschrieben und kann lautstark mitsingen. Ich singe in der „sauti ya pili“, der zweiten Stimme. Ich finde, es hört sich sehr gut an, wenn wir, nachdem alle ihre Stimmen geübt haben, dann ein Lied vierstimmig singen.

Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, genieße ich es immer noch sehr, Menschen zu treffen und kurz mit ihnen zu reden. Irgendwen trifft man ja immer. Auch hupt öfter mal ein Auto und irgendjemand winkt. Oder das Auto bleibt stehen, die Scheibe wird heruntergekurbelt und jemand ruft „Nadine, unaomba lifti?“. Das heißt so viel wie „Willst du mitgenommen werden?“ Meistens schlage ich das Angebot nicht aus. Ja, von den Leuten, die einen mittlerweile kennen, werde ich bei meinem Namen gerufen. Ansonsten habe ich von „Dada“, „Madam“, „Miss“, „Mama“ über „Ey Sista“ bis hin zu „Hey Baby“ und „I love you so much“ schon alles gehört. Am häufigsten höre ich allerdings das Wort „Mzungu“ (Weiße). Es stimmt ja auch, aber manchmal ist es doch etwas nervig immer so gerufen zu werden. Ich glaube aber, ich gewöhne mich langsam daran.

In Bukoba, besonders bei der ELCT (Evangelical Lutheran Church of Tanzania) war in den letzten Tagen viel los. Alles fing am letzten Donnerstag an, denn es stand der schon lange vorher angekündigte „Siku ya usafi“ oder auch das „community cleaning“ an. Alle Mitarbeiter der ELCT mussten sauber machen. Dafür wurde extra ein Plan ausgearbeitet, welches Department was zu tun hat. Wir von HUYAWA sollten das Büro und den Garten um das Bürohaus herum sauber machen. Zusätzlich wurde uns aufgetragen, die Straße, welche vom Hauptbüro der ELCT zum HUYAWA-Büro führt, zu reinigen. Also haben sich alle Mitarbeiter zu der vereinbarten Zeit (14.00 Uhr) vor dem Büro getroffen und losgelegt. Mit Plastikhandschuhen, Schubkarre, Besen und Sense zum Rasenmähen ausgestattet ging es an die Arbeit. Die Straße ist keine Teerstraße und da viel Müll einfach so fallen gelassen wird, hatten wir entsprechend viel zu tun. Ich wurde gefragt, wer denn in Deutschland die Straßen reinigt. Ja, habe ich geantwortet, da gibt es Menschen, die bei der Kommune, Gemeinde oder Stadt beschäftigt sind und die für die Sauberkeit auf den Straßen und Grünanlagen der Stadt verantwortlich sind. So etwas gibt es in Tansania nicht und deshalb haben wir das gemacht.

Grund für das „community cleaning“ war allerdings ein besonderes Meeting, das in diesen Tagen hier in Bukoba stattgefunden hat. Die ELCT mit ihren 20 Diözesen (das sind bei uns z. B. die Evangelische Kirche von Westfalen) hat eine Partnerschaft mit 13 Kirchen und Missionsgesellschaften in Dänemark, Schweden, den USA und Deutschland. Zusammen bilden sie die LMC (Lutheran Mission Cooperation). Die LMC hat hier in Bukoba eine Konferenz (Rund Table) abgehalten. Dazu sind alle Bischöfe der Diözesen und die Verantwortlichen der Kirchen und Missionsgesellschaften aus dem Ausland gekommen. Alle waren sehr stolz, dass sie Bukoba für diese Konferenz ausgesucht hatten und alle wollten gute Gastgeber sein. Gestern Abend gab es dann eine Abschlussveranstaltung, zu der ich auch eine Einladung vom Bischof bekommen habe. Eine Ehre! Es stellte sich heraus, dass alles, was in Bukoba Rang und Namen hat, gestern im ELCT Bukoba Hotel versammelt war. Jemand meinte scherzhaft, wenn hier heute einer das Wort „Mchungaji“ (Pastor) sagt, dann drehen sich 200 Leute um. Es waren nicht ganz 200, aber gefühlt schon. Als Volontärin der VEM musste ich mich natürlich auch vor allen vorstellen. Das habe ich dann wie meine Vorredner auf Englisch gemacht. Dann meinte Bischof Buberwa allerdings, dass ich jetzt das Ganze noch mal auf Kiswahili machen sollte. Ich habe dann wieder meine Standardsätze abgespult und damit alle glücklich gemacht. „Sie ist erst zwei Monate hier und kann schon so gut Kiswahili sprechen.“ Wie ich bereits am Anfang geschrieben habe, mein Kiswahili ist wirklich noch nicht besonders gut. Naja, wie dem auch sei, ich werde weiter daran arbeiten. Bis zum nächsten Mal und ganz liebe Grüße aus Bukoba!

Nadine

 

Rote Erde, weites Land

Autor: Nadine | Datum: 25 September 2011, 17:28 | Kommentare deaktiviert

Die Stadt Bukoba ist eine andere Welt als alles, was man so in Deutschland kennt. Aber der Weg in die Dörfer und die Lebenssituation dort ist noch mal eine ganz andere. Ich konnte es mir im Vorfeld nicht vorstellen, dass Menschen in Lehmhütten mit Strohdach, ohne Strom und fließendes Wasser leben, aber nun weiß ich es besser...

Drei Mal war ich jetzt schon mit den Leuten von HUYAWA zusammen unterwegs aus der Stadt heraus in die Dörfer. Und jedes Mal ist es ein Eintauchen in eine andere Welt! Irgendwann geht es von der geteerten Straße ab auf die rote Schotterpiste. Normalerweise kann ich das Autofahren ja gut vertragen, aber auf diesen Wegen muss ich echt aufpassen, dass mir nicht schlecht wird. Es geht mit Vollgas los und bei größeren Schlaglöchern wird mal abgebremst. Und so geht dann der Weg die Hügel hinauf und hinunter. Es ist eigentlich wie Achterbahn fahren und macht auch irgendwie Spaß. Man sieht so unglaublich viel von diesem schönen Land. Mir kam so in den Sinn, dass der Titel "Rote Erde, weites Land", wie vielleicht auch ein kitschiger Afrika-Roman heißen könnte, wirklich ein passender Titel für die Landschaft hier ist.

Am Freitag sind einige Mitarbeiter von HUYAWA und ich nach Ruhunga gefahren. Dort waren wir zur Send off-Party der Tochter eines Kollegen eingeladen. Dies war nun schon die zweite Send off-Party, die ich hier in Tansania besuchen durfte. Hochzeiten werden einfach ganz groß gefeiert. Die Send off-Party findet ein oder zwei Tage vor der eigentlichen Hochzeit statt und wird von den Eltern der Braut veranstaltet. Sie wollen ihre Tochter mit dieser Feier in die Hände des Bräutigams übergeben und sie von zu Hause verabschieden.

In Ruhunga angekommen, ist schon von weitem laute Musik zu hören und vor dem Haus von Bwana Barongo sitzen schon viele Gäste unter gespannten Planen. Der DJ lässt aus überdimensional großen Boxen Musik ertönen - umso lauter, desto besser. Normalerweise sitzt man auf frisch getrocknetem Gras auf der Erde, aber besondere Gäste sitzen wohl auf Stühlen. Für mich, den Mzungu (Weiße), wird sofort auch ein Stuhl geholt. Obwohl ich versichere, dass ich kein Problem damit habe, auf der Erde zu sitzen, soll ich auf dem Stuhl Platz nehmen. Seit wir angekommen sind, werde ich von gefühlten 500 Augenpaaren angestarrt. Die Kinder rufen "Mzungu, Mzungu!" Als einzige Weiße fällt man eben auf. Jeder Schritt und Tritt wird beobachtet.

In Etappen werden die Gäste ins Haus gebeten, um dort zu essen. Es gibt Wali (gekochter Reis), Matoke (Kochbananen), Nyama (Fleisch) und Soda (Fanta oder Cola). Der Vater der Braut, Bwana Barongo, macht einen unheimlich stolzen Eindruck, die Gäste in seinem Haus begrüßen zu können. "Karibu nyumbani", sagt er zu mir. "Willkommen in meinem Haus."

Nachdem alle gegessen haben, wird auf die Ankunft der Braut gewartet. Der Bräutigam ist mittlerweile da. Er hat sich zu seinen Verwandten gesetzt. Dann zieht die Mutter der Braut mit passender Musik gemeinsam mit ihren Freundinnen und Verwandten ein und nimmt Platz. Anschließend kommen die Freundinnen der Braut (sie tragen alle die gleichen Kleider). Orange und Blau sind die Farben der Hochzeit. Alles ist mit Tüchern in diesen Farben dekoriert. Der Bräutigam trägt ein oranges Hemd und als die Braut endlich erscheint, trägt sie natürlich auch ein oranges Kleid. Gemeinsam mit einer Freundin zieht sie durch die Reihen der Gäste und hält Ausschau nach ihrem zukünftigen Ehemann. Als sie ihn gefunden hat, kniet sie vor ihm nieder und zusammen ziehen sie dann nach vorne, wo auf einem Podest Stühle für das Brautpaar aufgebaut sind. Besonders ist, dass die Braut und die Freundin der Braut auf diesen Stühlen Platz nehmen, während der Bräutigam etwas abseits sitzt. Er wird dann erst bei der Hochzeitsfeier neben der Braut sitzen.

Die ganze Zeremonie wird von einem Moderator kommentiert, der lautstark in das Mikrofon schreit. Nachdem alle Gäste begrüßt wurden, übergibt die Braut an die eigenen Eltern und die zukünftigen Schwiegereltern sowie besondere Gäste einen Kuchen. Anschließend wird sie von ihrer Mutter mit nützlichen Gegenständen für den eigenen Haushalt beschenkt. Dazu kniet sie vor der eigenen Familie nieder und die Mutter packt aus Koffern alles aus, was man sich so vorstellen kann: Gläser, Tassen, Teller, Tücher, Bettwäsche, Handtücher und vieles mehr.

Danach übergeben die anderen Gäste ihre Geschenke. Wir von HUYAWA gehen dazu alle nach vorne, überreichen das Präsent und schütteln der Braut die Hand. Währenddessen spricht Pastor Mbuga einige Glückwünsche zu der Familie und der Braut.

Danach machen wir uns auf den Rückweg nach Bukoba, weg aus den Dörfern, zurück in die Stadt, in eine, wie ich finde, ganz andere Welt!

 

«zurück   1 2 3  vor»